ADAC Postbus mit ausgefahrener Rollstuhlrampe

ADAC-Postbus: Fernbus mit rollstuhlgerechten Bussen

ADAC Postbus mit ausgefahrener Rollstuhlrampe

Foto: Deutsche Post DHL

Vor einiger Zeit hatte Mobilista.eu bereits das Thema rollstuhlgerechte Fernbusse aufgegriffen und kam zu einem ernüchternden Ergebnis: bisher gab es unter etlichen Fernbuslinien, die seit der Gesetzesänderung 2013 als günstige Alternative zum Fernverkehr mit der Bahn in Deutschland unterwegs sind, praktisch keine rollstuhlgerechten Busse. Nun aber geht in Kürze der ADAC Postbus an den Start – und mischt das Segment in Sachen Barrierefreiheit gründlich auf! Wir haben uns mit der Pressestelle in Verbindung gesetzt und erfreuliche Antworten und Ausblicke erhalten.

Die Pressemitteilung, die in meinem Postfach landete, lies mich hellhörig werden: von Bussen mit rollstuhlgerechter Einrichtung war dort die Rede. Das war ein echtes Novum, denn noch vor Kurzem ergab unsere Befragung der größten Fernbus-Anbieter, dass es bisher genau eine einzige Fernbus-Linie in Deutschland gibt, die auch für Rollstuhlfahrer nutzbar ist (Artikel: Fernbusse in Deutschland und Rollstuhltauglichkeit). Alexander Edenhofer, Presseprecher von Deutsche Post DHL, lieferte uns interessante Antworten.

Mobilista.eu: Herr Edenhofer, mit großer Freude haben wir die Mitteilung zur Kenntnis genommen, dass einige Busse der ADAC Postbus-Flotte barrierefrei gestaltet sein werden. Da der ADAC Postbus damit neben dem Allgäu-Express, der in diesem Vergleich allerdings nur eine verschwindende Rolle spielt, eine Vorreiterposition einnimmt, würden wir hierüber gerne detailliert berichten anstatt wie ursprünglich geplant nur unsere Marktübersicht zu ergänzen. Uns drängen sich daher folgende Fragen auf:

1. Wie hoch ist der Anteil an barrierefreien Bussen zum Start des ADAC Postbus?

ADAC Postbus: Wir werden zunächst auf der Strecke Hamburg-Berlin insgesamt 7 Busse des Typs Van Hool Altano einsetzen, der es uns jeweils erlaubt, einen Rollstuhlfahrer in seinem Rollstuhl zu befördern und der drei weitere barrierearme, für Menschen mit eingeschränkter Mobilität leicht zugängliche Plätze anbietet.

2. Wie kam es zu dieser Entscheidung?

ADAC Postbus: Unser Anspruch als ADAC Postbus ist es, „Der Bus für Deutschland“ zu sein. Insofern war für uns frühzeitig klar, dass wir auch den Fahrgästen mit Behinderung ein Mobilitätsangebot unterbreiten möchten. Für diese Zwecke eignet sich der Van Hool Altano hervorragend.

3. Wie genau ist die Barrierefreiheit in den ausgerüsteten Bussen gestaltet? Handelt es sich dabei um vollständige Barrierefreiheit, also auch beispielsweise für Blinde und Sehgeschädigte? Wie genau sind diese Busse ausgerüstet? Können auch sanitäre Einrichtungen barrierefrei genutzt werden?

ADAC Postbus: Es handelt sich zunächst um eine Lösung primär für Menschen, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind und für gehbehinderte Menschen. Eine Lösung für barrierefreien Zugang zur Bordtoilette gibt es noch nicht. Generell sind Konzepte zur vollständigen Barrierefreiheit noch zu erarbeiten – dazu sind wir bereits mit verschiedenen Behindertenverbänden im Gespräch und beziehen gerne weitere Beteiligte und Betroffene mit ein.

Zudem erarbeiten wir derzeit gemeinsam mit dem BSK (Bundesverband Selbsthilfe Körperbehinderter e.V.) ein Lastenheft, welches das Thema barrierefreie Ausstattung von Fernreisebussen regeln soll. Das betrifft den Zugang zum Bus, Aufenthalt im Bus (Befestigen von Rollstühlen, Sichern von Insassen im Rollstuhl), Betrachtung zur Nutzung von Toiletten (im Bus oder ggf. Anpassen von Fahrprozessen mit planmäßigen Halten zur Nutzung von Toiletten an Raststätten). In diesem Arbeitskreis arbeiten zudem Vertreter verschiedener Verbände sowie des BDO (Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer, d. Red.), RDA (Internationaler Bustouristik Verband, d. Red.) und VDA (Verband der Automobilindustrie, d. Red.) mit. Dadurch stellen wir sicher, dass alle Interessengruppen zu diesem Thema ihre Sicht der Dinge einbringen und diese berücksichtigt werden können.

4. Wie erfolgt die Verteilung der Busse im Einsatz? Werden alle Linien wechselnd mit normalen und barrierefreien Bussen bedient, und wenn ja, wie können sich Kunden darüber informieren, welcher Bus barrierefrei ist?

ADAC Postbus: Um eine klare Orientierung für unsere Kunden zu schaffen und wichtige Erkenntnisse zum Thema zu sammeln, haben wir bewusst alle Busse einer Linie mit unserer barrierefreien Lösung ausgestattet. Die Busse vom Typ Altano werden also bewusst nicht von einer Linie zur anderen wechseln. Über eine Ausweitung auf weitere Linien wird dann frühestens im Sommer 2014 entschieden.

Es tut sich also etwas – wenn auch nur langsam. Aber mit der Erschließung der Strecke Hamburg-Berlin für Rollstuhlfahrer mit Fernbussen ist ein erster wichtiger Schritt in Richtung Inklusion getan und dürfte für einige Reisende mit Rollstuhl eine echte Alternative zur Bahn werden. Der ZOB in Berlin liegt in direkter Nähe zum rollstuhlgerechten S-Bahnhof Messe/ICC Nord, der ZOB Hamburg direkt neben dem Hauptbahnhof, sodass auch eine An- und Weiterreise ohne große Schwierigkeiten möglich ist. Der Zugang zum Bus erfolgt wie im Artikelfoto über eine Rampe im Bereich der Fahrzeugfront. Link direkt zum Anbieter: adac-postbus.de

Mobilista.eu hofft, dass sich andere Anbieter dem Vorbild ADAC Postbus bald anschließen und so einen wichtigen Beitrag zum barrierefreien Reisen wenigstens innerhalb Deutschlands leisten!

2 Kommentare
  1. fahrermangel
    fahrermangel says:

    Hurra! Der ADAC spielt mal wieder den Helden, in dem er umsetzt, was vom Gesetzgeber bei Neubussen im Personenfernverkehr ab 2016 sowieso vorgeschrieben ist. Schön dass das Ganze thematisiert wird – und auch schön, dass der ADAC hier bereit vor 2016 aktiv wird. Aber letztlich nichts weiter als eine Marketingaktion: andere Fernbusanbieter haben die Planung für barrierefreie Linien bereits seit Anfang dieses Jahres auf der Tagesordnung und wie im Bericht am Rande erwähnt: teilweise bereits umgesetzt!

Dein Kommentar

Want to join the discussion?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar