Es zieht sich wie ein roter Faden durch unsere Reiseerinnerungen: das Essen! Wenn uns jemand fragt, inwiefern uns Reisen beeinflusst, kommen wir immer wieder zu dem Schluss, dass wir uns auch sehr für fremde kulinarische Einflüsse interessieren. Essen ist für uns mehr als Selbsterhalt, es ist Genuss, und so versuchen wir, andere Länder mit allen Sinnen zu entdecken. Hier haben wir zusammengetragen, was uns kulinarisch am stärksten beeinflusst hat – quasi unsere kulinarischen Souvenirs.

Regional und saisonal – unser Essverhalten

Timo liebt Kochen. Manche Freunde halten uns für Snobs – sind wir eigentlich gar nicht, wir kochen auch nur mit Wasser. Aber wir experimentieren auch gerne mit ausgefallenen Zutaten und Gewürzen und versuchen, Reiseerinnerungen wachzuhalten. Wir legen Wert auf Frische, leben mit dem Widerspruch, dass unser Leben und unser Konsum- (und Reise-)Verhalten schädliche Auswirkungen auf die Umwelt hat, versuchen aber dennoch, auch den CO2-Fußabdruck unserer Zutaten gering zu halten. Dazu möchten wir auf industriell verarbeitetes Essen so gut wie möglich verzichten, was nicht nur am Geschmack, sondern an einer Nahrungsmittelunverträglichkeit gegenüber Glutamat und diversen anderen Zusatzstoffen liegt. Kurzum: Frisch, saisonal und möglichst regional ist unser Anspruch, dem wir natürlich auch nicht immer gerecht werden. Aber wir versuchen, bewusst mit Lebensmitteln umzugehen. Und das macht uns in fremden Ländern immer neugierig – wenn wir eine Markthalle sehen, gibt es kein Halten mehr! Sei es der Mercat de la Boqueria in Barcelona (die tollste Markthalle, die wir je gesehen haben!), der Old Market auf Curacao, der St. Lawrence-Market in Toronto, der Old English Market im irischen Cork oder auch einfach die Markthalle IX in Berlin: an diesen Orten fühlen wir uns immer wohl! Wir saugen die Vielfalt, die Frische und die Farben in uns auf und probieren uns durch – und schlendern arm, aber glücklich von dannen.

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Grenzen erfahren und überwinden

Andere Länder, andere Sitten. Aber hey, genau dafür sind wir doch hergekommen. Also sind wir offen für Neues und probieren. Manches landet unangetastet im Mülleimer, das geht einfach nicht. Und manchmal entwickelt sich aus etwas Verhasstem etwas Geliebtes. Ein kleines Beispiel: Adina ist frühstückstechnisch total auf „Süß“ eingestellt. Seit unserem Irland-Roadtrip gibt es aber am Wochenende häufig auf IHREN Wunsch hin etwas vollkommen anderes:

Rezept: (Full) Irish Breakfast

Das traditionelle irische Frühstück ist alles, aber nicht süß. Es besteht aus folgenden Zutaten:

  • Spiegeleier oder Rühreier
  • Gebratener Speck (vom Rücken, kein Bauch)
  • Gebratene Würstchen
  • Black Pudding (Blutwurst)
  • White Pudding (helle Wurst)
  • Bohnen
  • Gegrillte Tomaten, evtl. auch gegrillte Champignons
  • Toast

Die Full Irish-Variante, quasi die Deluxe-Version, beinhaltet zudem oft

  • Porridge
  • Saft
  • Schwarztee
  • Marmelade

Diese Kombination, wenn das flüssige Eigelb sich mit dem Saft der gegrillten Tomate und der Bohnen vermischt und über den Black Pudding läuft, ist traumhaft. Und dieses Frühstück ist perfekt für einen langen Reisetag!

Full Irish Breakfast

Full Irish Breakfast

Aus Irland haben noch einige andere Leckereien Einzug in unsere Küche gehalten. Neben Austern, die Adina hier zum ersten Mal gegessen hat, finden sich auch folgende Speisen immer wieder auf unserem Speiseplan:

  • Scones – englisch-irisches Teegebäck, auch wenn die obligatorische Clotted Cream hierzulande nur schwer zu bekommen ist
  • Tuna Melt – ein Sandwich mit Thunfisch und einer Sauce aus Käse, Senf, Frühlingszwiebeln, gut gegrillt, bis der Käse geschmolzen ist (am besten auf dem Sandwichgrill)
  • Guinness Pie – eine leckere Pastete aus Mürbteig mit einer Füllung ähnlich wie Gulasch, aber mit Guinness aufgegossen

Frische als Qualitätsmerkmal

Durch unsere Reisen haben wir auch festgestellt, wie anders und wie viel leckerer Obst und Gemüse sein kann, wenn es bis zur Reife am Baum oder Strauch bleibt und nicht unreif geerntet wird, um dann in Reifekammern auf Schiffen durch die Welt verfrachtet zu werden. In der Karibik stellten wir fest, wie unglaublich aromatisch Bananen, Ananas, Mangos oder Papayas sein können, die noch bis zum Vortag in Venezuela in der Sonne hingen! Die Süße, kaum Säure – kein Vergleich zu den Produkten, die hier nach Wochen auf See ankommen. Aber man muss dafür gar nicht in die Karibik reisen – geht auf einen sizilianischen Wochenmarkt und probiert dort reife Tomaten, Melonen oder Zitronen! A propos Zitronen. Eine weitere Region, die uns kulinarisch stark geprägt hat, ist Sizilien – und bis heute sehnen wir uns im Sommer nach einer eiskalten Granita. So sehr, dass wir sie inzwischen selbst machen.

Sizilianische Leckereien

Rezept: Granita di Limone

Es gibt fast nichts Großartigeres, als in der glühenden Sonne Abkühlung mit einem Becher Zitronen-Granita zu finden. Eine Art Sorbet, teils eiskalt flüssig, teils gefroren. Die milde süße Säure und die Kälte lassen den Körper aufatmen.

Zutaten:

  • 500ml Wasser
  • 300ml Zitronensaft (guten Saft, nicht aus der Plastik-Zitrone und kein Konzentrat!)
  • 100g Zucker

Zubereitung: Das Wasser aufkochen und den Zucker darin auflösen, dann das Ganze wieder abkühlen lassen. Zitronensaft dazu, dann das Ganze in ein Gefäß geben und ab ins Gefrierfach damit. Nun beginnt die Arbeit: alle 20 Minuten schauen wir nach, wie es dem Gemisch so ergeht, und rühren mit einer Gabel die entstehende Eiskruste weich. Es soll sich eine Masse aus feinen Eiskristallen bilden, keinesfalls ein Block! Nach wenigen Stündchen sollte die Granita dann fertig sein – ab in den Becher, Strohhalm und Löffel zücken, und los geht’s!

Weitere kulinarische Highlights aus Sizilien

Sizilien ist unglaublich vielfältig, und es ist unmöglich, alle dortigen Leckereien aufzuzählen. Zu unseren Favoriten, auf die wir uns bei jedem Food Festival stürzen, wenn wir sie bekommen, gehören

  • Arancini (leckere gefüllte und frittierte Reisbällchen)
  • Mandeln aus Noto
  • Und natürlich Dolci, insbesondere Canolli!

Simpel, lecker, crossover: Risotto mit Chorizo

Allgemeine Einflüsse

Ich habe mich inzwischen hungrig geschrieben. Und so wird es Zeit, zum Ende zu kommen, denn eine vollständige Aufzählung ist ohnehin unmöglich. Nahezu jede unserer Reisen hat unser Essverhalten beeinflusst – ein paar Beispiele für tolle Erfahrungen:

  • Kreol-Küche auf Curacao: Ein Mix aus (Süd-)Amerika, Karibik und Afrika mit exotischen Gewürzen und unfassbar leckerem Barbecue
  • Kanadische Fastfood- und BBQ-Kultur: Wie auch in den USA wimmelt es hier vor Fastfood. Und das ist definitiv lecker! Dazu kommt die amerikanische BBQ-Kultur: während viele Deutsche ihren sündhaft teuren Weber-Grill auf 400 Grad hochschießen, ein Stück mariniertes Nackensteak für 99 Cent binnen zwei Minuten darauf verbrennen, lässt man dem Grillgut dort Zeit. Viel Zeit: teils 12 Stunden im Smoker bei Niedrigtemperatur müssen BBQ-Ribs dort aushalten. Und danach sind sie unfassbar lecker und zerfallen fast von selbst!
  • Tschechien mit seiner deftigen böhmischen Küche
  • Die Steiermark mit ihrem Schwerpunkt auf Kürbis, Kürbiskernen und Öl!

Ihr seht: wir können uns nicht auf Favoriten festlegen. Dafür sind wir zu neugierig, und wir entdecken auf jeder Reise immer wieder etwas Neues!

Dieser Artikel wurde im Rahmen einer Blog-Parade erstellt, zu der Ina vom Blog Genussbummler aufgerufen hat: Blogparade Kulinarische Souvenirs – falls ihr nun auch hungrig geworden seid, schaut dort einmal vorbei!