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Rollstuhlfahrer im Schnee

Foto: brunolaon/flickr.com

Wer mit dem Rollstuhl täglich auf der Straße unterwegs ist, sammelt unweigerlich auch eine Menge Schmutz an den Reifen ein: Staub, Ruß, im unangenehmsten Fall auch noch Hinterlassenschaften von Hunden setzen sich im Profil fest. Hinzu kommen unsichtbare Gefahren in Form von Krankheitserregern. All das möchte man wohl kaum in der Wohnung haben. Wir haben uns einmal den Kopf zerbrochen, wie man auch mit dem Rollstuhl einigermaßen hygienische Zustände erhalten kann, ohne täglich die Wohnung putzen zu müssen oder bei Schneefall mit dem Wischmop hinter den Tauwasserspuren hinterherwischen zu müssen.

Die nasse, kalte Jahreszeit nimmt ihren Lauf. Für Rollstuhlfahrer bedeutet das deutlich mehr Putzaufwand, denn das Gemisch aus Regenwasser, Straßenschmutz, verfaultem Laub und dergleichen setzt sich mit Vorliebe im Profil der Rollstuhlreifen fest. Unter bestimmten Bedingungen lassen sich Verschmutzungen allerdings reduzieren.

Bodenbelag

Dass Teppichboden gerade für Rollstuhlfahrer kaum empfehlenswert ist, ist klar. Zum einen aufgrund des Reinigungsaufwands, zum anderen wissen die meisten Rollstuhlfahrer auch um den erhöhten Abrollwiderstand. Bodenbeläge wie PVC, Laminat oder Fliesen sind hier im Vorteil, wobei Laminat zwar abwischbar ist, aber auch zwingend abgewischt werden muss – denn wenn Nässe beispielsweise bei Schneefall in die Fugen zwischen den einzelnen Dielen einzieht, kann das Laminat aufquellen.

Hilfen, um Böden sauberzuhalten

Kommen wir zum Eingemachten. Wir haben verschiedene Möglichkeiten gefunden, trotz Alltagsrollstuhl eine einigermaßen saubere Wohnung zu behalten – allerdings hat jede dieser Lösungen ihre Schwächen und ist kaum universell geeignet. Hier muss letztlich jeder die für sich beste Lösung ausmachen.

Handfeger

Gegen groben Schnee nutzen wir einen einfachen Handfeger, der im Treppenhaus liegt. Einmal die Reifen und die Felgen des Rollstuhls grob abbürsten, idealerweise schon vor der Haustür, und schon hat man ein paar Liter weniger schmutzigen Tauwassers in der Wohnung. Je nach Durchgangsverkehr bekommen solche Handfeger aber leider schon einmal Füße – es sollte also nicht das Erbstück von Oma mit vergoldetem Handgriff sein, wenn man in einem solchen Haus lebt.

Reinigungsmatte

Unter den Praxistipps von Eigude.de hat Steffen empfohlen, vor der Wohnung einen dieser Teppiche zu postieren, wie sie im Eingangsbereich von Kaufhäusern und Co. anzutreffen sind. Diese Matten können tatsächlich eine solide Menge Flüssigkeit aufnehmen und beseitigen so zumindest die gröbsten Schmutzpartikel und Wassermengen. Haken daran ist allerdings, dass die Hausverwaltung bei Mehrfamilienhäusern hier mitspielen muss und sich ggf. jemand finden muss, der an Reinigungstagen die Matte wegräumt – je nachdem, wer im Haus für die Treppenhausreinigung zuständig ist.

Zweitrollstuhl

Ein häufig diskutiertes Thema unter Rollstuhlfahrern ist auch ein Zweitrollstuhl für die Wohnung. Ein zweischneidiges Schwert, denn einen pauschalen Rechtsanspruch dafür gibt es nicht konkret. Es handelt sich beim Zweitrollstuhl um eine Kann-Leistung, die individuell begründet werden muss – der bloße Hinweis auf Schmutz in der Wohnung dürfte hier nur selten ausreichen. Die Begründung muss medizinischer Natur sein – wobei beispielsweise Menschen, die über ein geschwächtes Immunsystem verfügen, beispielsweise durchaus auch mit den eingeschleppten Keimen eines Straßenrollstuhls und den damit verbundenen Gesundheitsrisiken (und den daraus resultierenden Heilkosten für die Krankenkasse) argumentieren könnten. Wer sich beispielsweise kompromissbereit zeigt und der Kasse (sofern gesundheitlich möglich) anbietet, auch ein Modell aus dem Fallpauschalen-Pool zu akzeptieren, dürfte zudem seine Chancen auf einen positiven Bescheid für seinen Zweitrollstuhl erhöhen.

Reifenüberzüge für den Rollstuhl

Nicht nur für die eigene Wohnung, sondern in zunehmendem Maß auch für Schwimmbäder (wir erinnern uns an die Diskussion um die Hausordnung der Therme in Bad Schwartau, die jüngst medial diskutiert wurde, weil eine Rollstuhlfahrerin nicht den zur Verfügung gestellten hauseigenen Rollstuhl nutzen wollte), Museen, Sporthallen und andere Einrichtungen, in denen es auf Hygiene ankommt, interessant: Überzieher für die Rollstuhlräder. Praktikabel ist so etwas nach meinem Kenntnisstand bisher nur für manuelle Rollstühle, und hier auch nur für die Haupträder. Für die Lenkräder, die zwischen 3 und 10 Zoll groß sind, gibt es bisher meines Wissens keine industrielle Lösung, während es im Sanitätsfachhandel Reifenüberzüge zu einem Paarpreis von rund 30 Euro gibt. Diese Überzüge werden einfach über die Rollstuhlräder gezogen und schützen die Böden vor Verschmutzung durch den Rollstuhl. Die vorderen Laufrollen von Rollstühlen sind ohnehin wesentlich leichter zu reinigen, da sie in der Regel kein Profil besitzen – eine Sprühflasche mit etwas Desinfektionsmittel und eine Spülbürste sollten völlig ausreichen, um die Vorderräder am Rollstuhl sauber zu bekommen.

Durchfahrbecken

Der Vollständigkeit halber seien auch Durchfahrbecken erwähnt. Für Freizeiteinrichtungen sieht die DIN 18024-2 unter anderem auch Hygieneschleusen in Form von Durchfahrbecken vor. Für Wohnungen sind solche Maßnahmen völlig ungeeignet, und auch in Einrichtungen kommen sie nur seltenst zum Einsatz, da sowohl die Baukosten als auch die Betriebskosten hierfür erheblich sind.

Fazit

Es ist durchaus möglich, sich den lästigen Straßenschmutz auch dann vom Leib zu halten, wenn man mit dem Rollstuhl in der Wohnung unterwegs ist. Mit einem E-Rollstuhl ist es allerdings ungleich schwerer, und eine perfekte Universallösung ist bislang noch nicht in Sicht. Aber zumindest lässt sich der Putzaufwand ein wenig reduzieren – und der nächste Schneefall kommt bestimmt! Habt ihr einen Geheimtipp, den wir hier vergessen haben? Dann nichts wie her damit!

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