Seit zwei Jahren sind wir auf der Suche nach einer weiteren Unterkunft für die Familie. Viele Optionen wurden geprüft, schließlich entschieden wir uns alle für einen Wohnwagen. Und weil es auf dem Gebrauchtmarkt kaum Wohnwagen für Rollstuhlfahrer gibt, haben wir uns kurzerhand dazu entschlossen, einen Gebrauchten umbauen zu lassen.

Camping und Rollstuhl – kaum Fahrzeuge

Timo war Camping-Fan, bis wir vor nun 13 Jahren zusammenkamen und sich die Dinge eben verändert haben. Dadurch war schon etwas Grundwissen und ein Überblick über Modelle, Technik und Details vorhanden. Und als wir uns entschieden, auf Omas Grundstück als zusätzliche Herberge für Familientreffen einen Wohnwagen zu parken, gingen wir auf die Suche. Es sollte ein gebrauchter Wohnwagen werden, der über eine breite Tür verfügt, da die meisten Modelle aus Platzgründen nur 50 Zentimeter breite Türen haben. Und da wurde die Luft in unserem Budget bereits dünn. Kaum Angebote, die meisten davon unpassend oder schlicht alter Schrott. Wer einen rollstuhlgerechten Wohnwagen besitzt, hat den meist ab Werk bereits umbauen lassen und gibt ihn nicht wieder her. Also musste eine andere Lösung her, denn bei Omas jährlichem Geburtstagstreffen geht es nicht nur eng zu im kleinen Häuschen, es ist auch schlicht nicht praktikabel – denn mit der Hochzeit von Adinas Schwester änderte sich alles. Sie heiratete einen Rollstuhlfahrer, was tatsächlich viele Dinge wesentlich komplizierter machte. Aber wir sind schließlich gewöhnt, Lösungen zu finden, also machten wir uns an die Recherche und suchten uns einen seriösen Fachhändler im Raum Berlin-Brandenburg. Was wir bis dahin an sogenannten „Händlern“ kennenlernen durften, spottet jeder Beschreibung: ein Fahrzeug stand auf einer Art Grusel-Friedhof für Wohnwagen aller Couleur mit einem Verkaufscontainer auf dem Hof, die meisten ausgestellten Fahrzeuge hatten ihre besten Tage längst gesehen.

Neuwagen oder Gebrauchten umbauen lassen?

Ab Werk gibt es unverständlicherweise nur ein winziges Angebot an Wohnwagen, die rollstuhlgerecht sind, und der Umbau eines Neufahrzeugs kann je nach Anforderungen horrende Summen verschlingen, denn beim Wohnwagen gilt: Maximale Raumausnutzung. Und so sind die einzelnen Module auch gleichzeitig tragende Elemente und können nicht einfach ausgebaut werden, weil sonst die Dachstatik gefährdet werden könnte. Bei ausreichendem Budget kann ein Fahrzeug zumindest in seinem Grundriss vom Hersteller umkonfiguriert werden, sodass nur noch bedarfsgerechte Umbauten wie Hublift, Pflegebett und dergleichen anschließend eingebaut werden müssen. Für unser Budget kam das aber nicht in Frage. So suchten wir einen Gebrauchten mit Umbaupotential, denn unsere Anforderungen sind vergleichsweise gering.

Schließlich landeten wir vor den Toren Berlins in Hönow bei Tremp Caravanland. Der äußere Eindruck war schonmal um Welten besser, und wir machten uns todesmutig auf, um uns beraten zu lassen. Auf die flapsige Einleitung „Wir hätten da eine Herausforderung…“ reagierte der Chef mit einem Blick auf Adina und einem selbstsicheren Blick, und wir machten uns gemeinsam mit ihm auf die Suche nach einem geeigneten Kandidaten für einen Umbau. Unsere Anforderungen waren relativ gering: eine breite Tür, Durchgangsbreiten für einen Rollstuhl, die Möglichkeit, im Innenraum zu drehen, und optional eine rollstuhlgerechte Toilette. Wir suchten daher nach einem größeren und breiten Wohnwagen, wo insbesondere der Türausschnitt nicht direkt von großen Möbelgruppen verbaut ist, so dass Platz für eine breitere Tür vorhanden wäre.

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(Fotos: Tremp Caravanland GmbH)

Passendes Fahrzeug gefunden

Zwei Fahrzeuge entsprachen ungefähr unseren Vorstellungen, und schnell fiel die Wahl auf den Auserwählten: ein 2004er LMC Ambassador 560E sollte es werden, 7,2 Meter lang, 2,50 Meter breit, und neben dem Eingang befand sich nur ein TV-Schränkchen. Der Chef von Tremp Caravanland machte sich auf die Suche nach Möglichkeiten, den Wohnwagen nach unseren Wünschen umzubauen. Die Toilette haben wir aus Kostengründen vorerst ausgeklammert – ein vollständiger Umbau wäre auch nachträglich noch möglich. Pflichtprogramm war aber die Türverbreiterung, denn die Türbreite von 50 Zentimetern passt einfach nicht. Und der Chef wurde fündig – direkt beim Hersteller LMC, wo einst eine kleine Auflage von rollstuhlgerechten Wohnwagen gebaut (und warum auch immer wieder eingestellt) wurde. Und genau zu diesem Modell befand sich noch genau eine Tür mit einem Meter Breite im Ersatzteillager! So unterzeichneten wir endlich den Kaufvertrag und haben den Umbau in der dortigen Fachwerkstatt beauftragt – und wir beneiden die dortigen Karosseriebauer nicht um das, was ihnen bevorsteht: ein Schnitt in die Seitenwand, die wie bei den meisten älteren Fahrzeugen aus Alu in Sandwich-Bauweise aufgebaut ist, ist alles andere als trivial, denn ein einziger falscher Schnitt kann alles zerstören.

Der Umbau

Unser Wohnwagen wird jetzt umgebaut. Der „kleine Lord„, wie er aufgrund seines Seriennamens „Lord Ambassador“ nun getauft wurde, hat im Heck eine Sitzgruppe, die zum Doppelbett umgebaut werden kann. Direkt davor befindet sich der Einstieg, der nun verbreitert wird. Im Bug befinden sich zwei Einzelbetten, in der Mitte auf der linken Seite die Küchenzeile, ein Schrank, die Heizung und die Elektrik, auf der rechten Seite eine Nasszelle. Der Einschnitt wird zwischen Sitzgruppe und Nasszelle erfolgen und so einen breiten Einstieg ermöglichen. Vorerst werden Schienenrampen für den Einstieg herhalten, später wird bei Oma eine feste Rampe vorgebaut werden. Die Spuren, die der Eingriff hinterlässt, sind vergleichsweise gering: die neue Tür hat natürlich eine andere Optik als der Wohnwagen selbst, da wird die Chefdesignerin von Mobilista Hand anlegen. Im Einstiegsbereich werden Spuren von dem TV-Schrank und eine etwas überstehende Sitzgruppe übrigbleiben, sodass wir hier einige Verblendungen anbringen werden. Die Elektrik, die sich hier im Einstiegsbereich befindet, muss umverlegt werden, was aber nicht weiter ins Gewicht fällt, denn für uns finden sich hier ohnehin viel zu wenig Steckdosen. Hier wird Timos Elektrikertalent noch gefordert werden, um den Lord von 2004 ins Jahr 2020 zu bringen und insbesondere mit USB-Steckdosen zu versorgen. Und wenn wir schon dabei sind, werden auch die gruseligen Lampen aus dem Jahr 2004 einem modernen Beleuchtungskonzept weichen müssen.

Künftig ist es durchaus möglich, dass der kleine Lord noch die eine oder andere Reise antreten wird. Dann aber umgebaut und auf uns zugeschnitten. Erst einmal muss er den Weg zu uns finden: der Umbau ist auf Februar terminiert, Ende Februar ist die Übergabe geplant. Dann wird es sicher noch einen weiteren Bericht geben…