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Diese Reise wurde vom Deutschen Jugendherbergswerk Nordmark unterstützt. Unsere Meinung bleibt davon aber wie üblich unbeeinflusst, der Artikel gibt unsere eigenen Erfahrungen wieder.

Klettern mit Rollstuhl – Adinas Erfahrungsbericht

Als wir vom Deutschen Jugendherbergswerk Nordmark eingeladen wurden, den nördlichsten Zipfel Deutschlands zu erkunden (unser Bericht dazu hier) und dabei auch den rollstuhlgerechten Kletterpark vor Ort zu testen, sagten wir sofort zu. Einerseits natürlich, weil wir das Meer lieben und Nordfriesland uns als Reiseziel lockte, andererseits aber auch, weil wir wirklich neugierig waren, wie Klettern mit Rollstuhl funktionieren soll. Zudem hatte ich, Adina, noch eine geheime Mission: Endlich meine Höhenangst überwinden! Diese Gelegenheit musste ich also unbedingt ergreifen.

Der Adrenalinpegel steigt – Der Besuch im Hochseilgarten rückt näher

Je näher der Besuch im Kletterpark rückte, umso nervöser wurde ich jedoch. Hatte ich vielleicht etwas übereilt “Hier!” geschrien? War ich vielleicht ein bisschen zu großspurig an die Sache herangegangen? Irgendwie hatte ich angenommen, dass ich das schon schaffen werde. Aber kann man eine jahrelang gehegte Angst so einfach überwinden? So langsam ging mir ein bisschen die Muffe.

Dazu schossen mir Fragen durch den Kopf wie: Wie komm ich denn mit Rollstuhl da hoch? Wieviel Kraft brauch ich dazu? Kann ich das überhaupt? Wie wird man mit Rollstuhl im Kletterpark gesichert? Tut das nicht weh? Und wie kann ich mich mit Rollstuhl da oben im Hochseilgarten bewegen?

Im Klettergarten Filu angekommen: Das Abenteuer kann beginnen!

Wir trafen im Klettergarten Filu in Leck ein und ich muss gestehen, ich war wirklich aufgeregt. Aber ich freute mich auch auf das Abenteuer. Als wir dem Hochseilgarten näher kamen, wuchs meine Aufregung noch: Der Kletterparcour sieht von unten sehr hoch aus!

Zum Glück konnten mir die Trainer Frerk und Kira schnell ein wenig Angst nehmen. Sie legten mir meine Personensicherung, den Helm sowie die Extra-Sicherung für den Rollstuhl an und fixierten mich am Rollstuhl, damit ich in luftiger Höhe nicht herauskippen konnte.

Dann übten sie mit mir das Sichern an den Seilen – zunächst einmal unten, auf dem sicheren Waldboden. Schnell merkte ich, dass mir durch meine Muskelerkrankung die Kraft in den Armen fehlt, die Sicherung so hoch zu heben und kräftig auf dem Seil einrasten zu lassen. Aber auch das war kein Problem, Trainerin Kira würde mich begleiten und mir dabei helfen.

Überhaupt wurde immer flexibel, geduldig und verständnisvoll auf meine Fragen oder Bedenken eingegangen. Das beruhigte mich sehr, also fasste ich mir ein Herz und steuerte den Startpunkt an. Nun wurde es Ernst!

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Jetzt geht’s los! Auf in den rollstuhlgerechten Kletter-Parcours

Der rollstuhlgerechte Kletter-Parcours ist fünf Meter hoch. Fünf Meter! Das fühlt sich – ohne festes Geländer oder schützende Glasscheibe – verdammt hoch an. Zumindest für jemanden wie mich, der von Abgründen oder Hafenkanten immer extra weit Abstand hält. Nur zur Sicherheit…

Als die vielen Sicherungs- und Kletterseile angelegt waren, wurde ich langsam auf die erste Kletter-Plattform hochgezogen. Es war ein unbeschreibliches Gefühl, den Boden unter den Füßen zu verlieren und mit dem Rollstuhl in der Luft zu baumeln. Der erste Meter war ja vielleicht noch “gewohntes Terrain”, aber spätestens ab dem zweiten Meter kribbelte es doch im Bauch. Ich versuchte mich von der Höhe abzulenken und genoss den Ausblick, der sich mir bot. Bäume, Blätter, Wald von oben. Die reinste Eichhörnchenperspektive!

Auf der Plattform angekommen, erklärte Kira mir den Parcour. Er bestand aus drei Teilen und einem optionalen Finale, das es in sich hat – dazu später mehr. Erst einmal konzentrierte ich mich auf die drei Challenges. Der erste Teil bestand aus einem relativ schmalen Steg, den es zu überfahren galt. Klingt simpel, aber wenn es rechts und links fünf Meter in die Tiefe geht, fühlt sich das schon wie eine echte Herausforderung an. Da Kira meine Sicherung übernahm, konnte ich mich voll auf das Fahren mit dem Rollstuhl konzentrieren. Zunächst rollte ich sehr zögerlich auf den Steg und bemühte mich, mittig zu bleiben und dem Abgrund nicht zu nahe zu kommen. Mein Selbstvertrauen wuchs jedoch – wider Erwarten – schon nach dem ersten Stück der Strecke. Ich rollte, schon etwas sicherer, auf das nächste Podest zu. Hier sollte der zweite Teil beginnen: Ein Steg mit lauter Wippen!

Mit Kira als Hilfe an meiner Seite, wagte ich mich auf die Berg- und Talfahrt. Das Balancieren und Kippen auf den Wippen gibt diesem Teil der Strecke einen echten Nervenkitzel-Faktor.

Ich war doch heilfroh, auf dem rettenden, nächsten Podest angekommen zu sein und musste hier kurz verschnaufen. Nun grinste mich schon die dritte Herausforderung an: Ein Weg, nur bestehend aus zwei schmalen Stegen für die Reifen. Rechts, links und in der Mitte gähnende Leere und Abgrund. Hui, hier war ich wirklich kurz versucht, umzukehren! Aber aufgeben wollte ich, beflügelt vom bisherigen Erfolg, dann doch nicht – also wagte ich mich auf die letzte Etappe. Ganz langsam und immer wieder auf die Reifen schauend, bewegte ich mich vorwärts. Diese Challenge brachte mich wirklich ins Schwitzen. Aber welch ein tolles Gefühl, als auch diese Strecke geschafft war!

Das furiose Finale: Die Seilbahn in die Tiefe

Kira stellte mich nun vor die Wahl: Ich konnte mich einfach wieder abseilen lassen (so, wie ich auch hoch gekommen war) oder die Seilrutsche in die Tiefe nehmen. Mein Ehrgeiz war geweckt, schließlich hatte ich schon viel mehr gewagt, als ich zuvor gedacht hätte. Nun wollte ich auch den grandiosen Abgang!

Der vielleicht schlimmste Moment war der, der nun folgte: Mit den Vorderreifen des Rollstuhls ganz nah am Abgrund zu stehen und dann – statt sich schnell wieder davon zu entfernen, wie es mein Bauchgefühl verlangte – über die Kante ins Nichts zu rollen. Dann rauschten mein Rollstuhl und ich am Seil blitzschnell in die Tiefe. Mir blieb kaum die Zeit, zu schreien! Dafür genoss ich das Adrenalin und das Bauchkribbeln, während ich im Sturzflug auf den Waldboden zusteuerte.

Unten angekommen musste ich zu meiner großen Überraschung feststellen: Ich würde das tatsächlich echt gern wiederholen! Dieses Ende war zugleich mein Tageshighlight. Es war unglaublich toll, aber auch ein bisschen angsteinflößend. Eben Nervenkitzel pur! 

Der rollstuhlgerechte Kletterpark ist eine Reise wert

Wenn ihr jetzt auch Lust auf so ein besonderes Erlebnis habt, können wir euch den rollstuhlgerechten Klettergarten Filu in Leck (Schleswig-Holstein) nur ans Herz legen. Ein Besuch dort lässt sich hervorragend mit einer Übernachtung in der Jugendherberge Niebüll verbinden. Flensburg, Dänemark, die Nordseeküste mit ihren Halligen sowie die Inseln Föhr, Amrum und Sylt sind von hier gut erreichbar. Konnten wir eure Neugier wecken? Mehr erfahrt ihr in unserem Hauptartikel: „Unterwegs im hohen Norden: Inseln, Dänemark und Klettergarten!“

Klettergarten Filu
Adresse: Karlsmark 1, 25917 Leck
Tel: +49 (0) 4662 – 8815656
http://www.klettern-leck.de