Place de la Bourse bei Nacht

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Diese Reise wurde von France.fr, der Region Nouvelle-Aquitaine und Charentes-Tourisme unterstützt. Unsere Meinung bleibt davon aber wie üblich unbeeinflusst, der Artikel gibt unsere eigenen Erfahrungen wieder.

Bordeaux ist eine faszinierende Stadt: Die kulturelle und kulinarische Vielfalt, ihre uralte bewegte Geschichte und ihr pulsierendes Leben machen sie einzigartig. Auch für Rollstuhlfahrer ist sie ein echter Tipp. Wir haben sie uns für einen Tag angesehen und verraten euch unsere Highlights!

Die Anreise

Zweieinhalb Flugstunden sind es von Berlin zum Flughafen Bordeaux, und schon hier wird deutlich, dass hier der Wein im Mittelpunkt steht. Die riesigen Weinflaschen, die selbst das neu errichtete Terminal für Discount-Airlines wie EasyJet zieren, machen Lust darauf, die weltbekannte Winzerkunst kennenzulernen. Aber Bordeaux hat auch noch viel mehr zu bieten. Taucht mit uns ein in eine Stadt, die uns von der ersten Minute an in ihren Bann gezogen hat!

Unser Hotel

Das Hotel Vatel**** liegt im Zentrum des „Quartier des Chartrons“ – ein quirliges Viertel, das einst das Viertel der Weinhändler war, nahe der Garonne. Das Viertel ist nach dem französischen Standard „Handicap et tourisme“ (ähnlich Reisen für Alle), zertifiziert und bietet uns ein großzügig geschnittenes Doppelzimmer mit einem riesigen Badezimmer und hochwertiger Ausstattung. Zur Begrüßung liegt ein kleines Schächtelchen mit Canellés, einem unglaublich leckeren Gebäck typisch für Bordeaux, auf dem Bett. Obwohl das Zimmer zur Straßenseite hinausgeht, ist es dank moderner Isolierung angenehm ruhig. Nach einer langen Anfahrt von der Ile de Ré begeben wir uns in das Bistro des Hauses und essen eine Kleinigkeit, bevor wir aufbrechen zum ersten Ausflugsziel.

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Wein erleben: Die Cité du Vin

Am Ufer der Garonne marschieren wir einige Meter, bevor wir zu einem Fähranleger gelangen. Von dort geht es mit dem Bat3, einem Katamaran, der seit einigen Jahren das Nahverkehrsnetz erweitert, über die Garonne eine Station weiter, unter der Hubbrücke Pont Jacques Chaban-Delmas hindurch zur Cité du Vin. Das Gebäude mit seiner spektakulären Architektur ragt weithin sichtbar über das Garonne-Ufer hinaus und wurde schon bald zu einem der Wahrzeichen Bordeaux‘.
Im Inneren beherbergt es ein riesiges Erlebnis-Museum rund um Weinbau. In interaktiven Multimedia-Präsentationen sowie Stationen zum Anfassen und Riechen erfahren Besucher alles über Weinbau, von der Geschichte über Regionen und Weinsorten bis hin zu Transportwegen und einschneidenden Ereignissen wie dem Befall der Reblaus über weite Teile der Anbaugebiete hinweg, der dem weltweiten Weinbau einen harten Rückschlag versetzt hatte.

Begleitet wird der Aufenthalt von zwei zeitlich begrenzten, thematisch passenden Kunstausstellungen, und gekrönt von einem Glas Wein nach Wahl in der Weinbar im obersten Stockwerk – mit einem prachtvollen Panoramablick über Bordeaux, der Welthauptstadt des Weines.

Und wer sich fragt, was die außergewöhnliche Architektur des Gebäudes dem Betrachter sagen möchte, setzt sich am besten bei einem Glas Wein in aller Ruhe aufs Sofa und schwenkt ihn im Glas – darin könnte sich die Antwort befinden… Könnt ihr es erraten?

Tipp: Unbedingt ausreichend Zeit einplanen! Hier können Besucher viele Stunden verbringen, ohne dass Langeweile aufkommt. Und der Ausblick über Bordeaux und insbesondere das ehemalige Hafenviertel Bacalan, das mit seinen ausgedienten Lagerhallen und der stillgelegten U-Boot-Bunkerbasis inzwischen zur Vergnügungsmeile avanciert, lohnt den einen oder anderen Blick. Es ist übrigens einem deutschen Unteroffizier namens Heinz Stahlschmidt zu verdanken, dass Bacalan heute noch existiert: 1944 gab die Wehrmachtführung den Auftrag, die Hafenanlagen mit einem weitreichenden Sprengstoffanschlag zu sabotieren. Stahlschmidt ging das zu weit: etliche tausend Menschenleben, darunter auch unzählige Zivilisten, waren in Gefahr. Im Auftrag der französischen Résistance sprengte er im August 1944 den Bunker, in dem Zünder und Sprengstoff für die Operation gelagert wurden, und tauchte bei der Résistance unter. Doch obwohl der deutsche Deserteur unzählige Menschenleben und das Viertel gerettet hat, wurden seine Verdienste erst sehr spät gewürdigt: der in Frankreich inzwischen als Henri Salmide lebende „Retter von Bordeaux“ wurde erst 1998 von einem Historiker ins Licht der Öffentlichkeit gebracht und um die Jahrtausendwende von der Lokalpresse entdeckt, bevor er 2010 als mehr oder weniger namenloser Held starb. Erst seit wenigen Jahren gibt es ganz in der Nähe der Cité du Vin ein kleines Sträßchen, das ihm zu Ehren „Rue Henri Salmide“ getauft wurde.

UNESCO-Weltkulturerbe: Das Stadtzentrum

Da Bordeaux aus oben genannten Gründen keine nennenswerten Kriegsschäden zu verzeichnen hat, findet man hier eine prachtvolle Mischung aus Klassik und Klassizismus vor. Und inzwischen erstrahlen die Gebäude in neuem Glanz, obwohl sie einst eher schmuddelig mit schwarzen Fassaden daherkamen. Warum das so war, erfahren wir bald: Mit der Straßenbahn begeben wir uns von Bacalan zurück über das Quartier des Chartrons entlang des Garonne-Ufers ins Centre-Ville, die Altstadt von Bordeaux. Schon seit unserer Ankunft sind uns die vielen Bikesharing-Stationen und E-Scooter aufgefallen, auch Carsharing scheint hier hoch im Kurs zu sein. Als wir in der Innenstadt ankommen, finden wir uns am Ausstieg Grand Opéra auf einer großen Straße wieder, die komplett verkehrsberuhigt ist (wie das gesamte Centre-Ville). Hier teilen sich Fußgänger nur mit Radfahrern und Straßenbahnen den weitläufigen Cours de l’Intendance, die Flaniermeile mit Boutiquen teurer Designer. Bis vor einigen Jahren floss hier noch motorisierter Straßenverkehr, und die Fassaden waren schwarz von Abgasen und Ruß. Nach weitgreifenden Maßnahmen zur autofreien Innenstadt blieben die geputzten Fassaden nun auch in ihrer Originalfarbe erhalten. Unsere Stadtführerin erklärt uns zudem, dass das Kopfsteinpflaster flach abgeschliffen wurde, was (nicht nur, aber gerade auch) für Rollstuhlfahrer ein Traum ist: Die historische Substanz wurde erhalten, aber deutlich besser begehbar gemacht!

Süßigkeiten: Paradies für Naschkatzen

Schon auf unserem kleinen Roadtrip durch Charente-Maritime haben wir versucht zu beschreiben, wie kulinarisch vielfältig und auch zuckrig-süß die Region ist. Bordeaux steht dem um nichts nach. Chocolatiers und Patissiers der Weltklasse haben hier ihren Sitz, und die bereits oben erwähnten Canellés sind quasi das Signature-Gebäck von Bordeaux: kleine gugelhupfförmige Küchlein, aus einem locker-fluffigen Teig mit etwas Rum und in einer Kupferform gebacken, sodass sie karamellisieren. Sie sehen unscheinbar aus, können aber zu einer echten Geschmacksexplosion ausarten (und bringen gefühlte Millionen Kalorien im Gepäck mit!).

Kulinarische Leckerbissen gibt es bereits an der Straßenecke am Grand Theatre: die Maison Georges Larnicol MOF Biscuiterie Chocolaterie liefert die von Timos Patentochter sehnlichst erwarteten Macarons, nebst anderen süßen kleinen Leckereien. In der Rue des Remparts und auf dem Weg dorthin werden Naschkatzen dann so richtig auf ihre Kosten kommen: Die gebürtige Marokkanerin Hasnaâ Ferreira schloss ihre Ausbildung zur Chocolatière erst 2012 ab und wurde bereits wenige Jahre später mit zahlreichen internationalen Preisen für ihre teils ausgefallenen Kreationen gekürt. Ein Wermutstropfen: Ihr Laden in der Rue de la Vielle Tour hat leider zwei Stufen am Eingang. Wer kann, sollte ihn sich aber dennoch nicht entgehen lassen!

Ein paar Schritte weiter gelangen Besucher in die Rue des Remparts, ein kleines Altstadtsträßchen voller Läden mit einer Mischung aus Kunst und Kulinarik. Neben Galerien finden sich hier kleine Boutiquen, Bars, Cafés und ein kleines Lädchen namens „Noisettines du medoc“ – eine Konfiserie, in der sich alles um Nüsse dreht. Wer dann noch nicht genug von Süßigkeiten hat, folgt der Rue des Remparts einfach weiter und schlendert durch die vielen kleinen Läden, um am Ende am Place Pey-Berland zu landen. Hier findet sich das Rathaus vis à vis der Kathedrale Saint-André.

Cathedrale Saint-André de Bordeaux

Die imposante Kathedrale am Place Pey-Berland präsentiert sich von der Rue des Remparts aus von ihrer schmuckvollen Nordseite mit dem Haupttor und dem Königstor, das erst seit Kurzem wieder begehbar ist. Über einhundert Jahre wurde es nicht mehr genutzt und schließlich vernagelt, inzwischen wurden das Portal mit seinen Skulpturen von Bischöfen und der Wiederauferstehung Christi und die Tür selbst restauriert. Durch seine lange Bauzeit vom 12. bis zum 15. Jahrhundert präsentiert es sich in unterschiedlichen Stilen: Während ältere Teile der Kathedrale, insbesondere die Außenmauern, noch im romanischen Stil errichtet wurden, wurden die Portale und Türme in der Gotik erbaut.

Die Kathedrale ist Teil des Jakobswegs und damit seit 1998 Teil des UNESCO-Weltkulturerbes, und auch die vergangenen Jahrhunderte haben nur wenig Spuren daran hinterlassen. Der Innenraum der Kathedrale ist im Vergleich zum äußeren beinahe jugendlich, denn im Zuge der französischen Revolution wurde die Kathedrale als Rache am Klerus kurzerhand entkernt und anschließend als Scheune genutzt…

Palais de Rohan: Das Rathaus

Das Rathaus liegt direkt neben der Kathedrale Saint-André. Das ist kein Zufall, denn es wurde im 18. Jahrhundert als Palast für das Erzbischoftum errichtet. Heute beherbergt der Palais de Rohan sowohl das Rathaus von Bordeaux, das „Hotel de Ville“, als auch ein Kunstmuseum.

Kino Utopia: Das alternative Kino

In der Altstadt von Bordeaux, nur einige hundert Meter von der Place Pey-Berland entfernt, liegt in einer ehemaligen Kirche das Kino Utopia. Hier wird es kosmopolitisch (genau genommen spiegelt es den kosmopolitischen Flair wieder, der über der ganzen Stadt liegt): Vorwiegend ausgewählte Independent-Filme werden hier in Originalsprache mit Untertiteln gezeigt, derzeit beispielsweise eine ganze Reihe an deutschen Produktionen wie „Systemsprenger„. Insgesamt fünf Vorführräume finden sich in der ehemaligen Saint-Siméon-Kirche, die sich auch als Treffpunkt von Regisseuren und Künstlern versteht. Ein echter Tipp für Schlechtwettertage!

Urbane Gärten, der Jardin Vinet

In einer kleinen Seitenstraße um die Ecke findet sich ein einzigartiger Vertreter der Gattung „urbane Gärten“: Auf einer Länge von über 100 Metern wurden hier vertikale Gärten angelegt, der Platz dazwischen wurde zum Treffpunkt für Familien, deren Kinder auf dem großen Spielplatz toben können. Auch an diesem Platz zeigt sich, wie sehr sich Bordeaux im Aufbruch weg vom Schmuddelimage der Achtziger hin zu einer weltoffenen und lebenswerten Stadt befindet.

Rue du Pas Saint-Georges

Das pulsierende Leben der Stadt ist hier ganz deutlich erlebbar. Die kleine Gasse, die zum Place de la Bourse am Garonne-Ufer führt, ist voller kleiner unabhängiger Läden, Cafés und anderen Lokalen, ein Tummelplatz junger und junggebliebener Menschen.

Place du Parlament

Mediterranes Flair versprüht dieser wunderschöne Platz an der Rue du Pas Saint-Georges, umringt von Cafés und Restaurants in italienischem Ambiente. Die Mitte des Platzes ziert eine Fontäne, die bei hohen Temperaturen und der oft stehenden Luft eine willkommene Abkühlung bietet. Er bildet quasi das Herz der historischen Altstadt.

Place de la Bourse

Der Prachtplatz von Bordeaux, der Place de la Bourse, liegt direkt am Ufer der Garonne. Mit dem Bau des Platzes demonstrierte Bordeaux seinen Reichtum, der ursprünglich auf Waren- und Sklavenhandel beruhte. Hier finden sich in den mondänen Palästen heute unter anderem das Zollmuseum sowie die Handelskammer, auch hier ist ein eindrucksvoller Springbrunnen das Zentrum des Platzes.

Miroir d’Eau – der Wasserspiegel

Direkt am Place de la Bourse liegt am Ufer der Garonne der Wasserspiegel. Zusammen mit dem Place de la Bourse und der bekannten Pont de Pierre im Hintergrund bildet er eine Bühne für Freigeister, Künstler und Touristen. Auch verliebte Paare scheinen sich hier gern zum Rendezvous zu treffen. Denn gerade in den Abendstunden ist er eine traumhafte Kulisse und lädt zum Flanieren und Verweilen ein!

Abendessen bei Gordon Ramsay: Die Brasserie Le Bordeaux

Das wohl gehobenste Hotel der Stadt ist das traditionelle Hotel Intercontinental gegenüber der Grand Opéra. Es beherbergt gleich zwei Restaurants unter der Flagge des britischen Starkochs Gordon Ramsay: Das Sternerestaurant „Le pressoir d’Argent„, aber auch die Brasserie „Le Bordeaux„, die mit etwas gemäßigteren Preisen, aber nicht minderer Qualität daherkommt. Der Rollstuhlzugang ist um die Ecke, das Servicepersonal ist jederzeit beim Zugang mit der mobilen Rampe behilflich. Hier lassen wir unseren letzten Abend vor der Rückkehr bei Austern, Pasta und Ile flottante beziehungsweise Käseplatte ausklingen. Alles natürlich aus regionalen erstklassigen Zutaten und nicht ohne das eine oder andere Gläschen Bordeaux!

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