Während unseres Aufenthalts auf Curacao hat Adina die besondere Gelegenheit erhalten, im Curacao Delphintherapie-Zentrum eine Probeeinheit zu absolvieren, um sich selbst ein Bild davon zu machen. Und wir konnten im Anschluss tatsächlich einige Bedenken über Bord werfen. Nun also berichtet Adina hier von ihren Erlebnissen mit der Delphin-Dame Nubia:

Adinas Erfahrungsbericht: Die Begegnung mit den Delfinen

Ich geb’s nicht gern zu, aber als wir an diesem schönen karibischen Morgen zum Delfinschwimmen gingen, war ich unglaublich nervös.

Zum einen, weil man wahrscheinlich nicht allzu oft in seinem Leben die Gelegenheit hat, einem Delfin so nahe zu kommen, und zum anderen, weil ich aufgrund verschiedener Einschränkungen durch meine Muskelerkrankung im Wasser nicht gerade heimisch bin. Ich liebe das Wasser – in der Regel aber eher als Betrachter aus der Ferne, seltener als Wasserratte im kühlen Nass.

Die ersten Sorgen wurden mir jedoch gleich genommen, als mich der Therapeut Sebastian mit einem offenen, warmen Lächeln begrüßte und mit einem lockeren Vorgespräch begann. Im Vorfeld hatte ich ja schon einen Fragebogen ausgefüllt, der die wichtigsten Fakten zu meiner Diagnose und meinen körperlichen Einschränkungen erfasst hat. Später im Verlauf der „Special Swim-Stunde“ wurde mir klar, dass er sich wirklich gründlich darauf vorbereitet hat, da er sich sogar zu meiner sehr seltenen Erkrankung belesen hatte. Da ich schon häufig in ratlose Mediziner-Augen blickte, wenn ich meine Diagnose erwähnte, war ich von der guten Vorbereitung des Therapeuten hier besonders beeindruckt.
Nun fragte er nochmal, was ich gar nicht kann – oder möchte. Dass er so auf mich einging, beruhigte mich ungemein.

Mit einer Schwimmweste bewaffnet gingen wir zur Plattform. Wir versuchten es zunächst mit einem regulären Schwimmgang. Ich merkte jedoch schnell, dass ich durch die enge Schwimmweste und das tiefe kühle Wasser schlecht Luft bekam. Sebastian ging sofort sehr nett und unkompliziert darauf ein und ging mit mir zu einer absenkbaren Plattform, mit deren Hilfe ich nun den Delfinen ganz nah sein konnte, ohne ins tiefe Wasser abtauchen zu müssen.

Mein Date mit der Delfin-Dame

Mein ganz persönlicher Delfin, Nubia, war fünf Jahre alt, was für einen Delfin noch ziemlich jung ist (quasi gerade in der Pubertät). Sie war sehr zutraulich im Gegensatz zu ihrem Bruder, der ein eher scheuer Gefährte war. Nubia hingegen war in ihrer „Delfinklasse“ eine kleine Streberin: Sie kann am höchsten springen, lernst am schnellsten neue Tricks und ist auch sonst ein vorbildlicher Therapie-Delfin. Sie hat mir sogar ihren riesigen Kopf ganz sanft auf den Schoß gelegt, sodass ich sie besser streicheln konnte. Ich fand es bemerkenswert, wie sanft sie bei allen Tricks und Übungen mit mir umging. Obwohl sie so groß ist und bei ihrem Sprung aus dem Wasser in rund 3-4 Metern Höhe wahnsinnig viel Kraft bewies, konnte sie im nächsten Moment mit ihrer zarten Schnauze ganz sanft meine Wangen anstupsen.

Eine Lehrstunde zum Thema Meeressäuger

Besonders spannend fand ich auch die Laute der Delfine. Jeder Delfin hat einen Namen, also eine bestimmte Art von Laut, mit deren Hilfe sie sich auch unter einander rufen können.

Für alle, die sich das schon immer fragten: Die Haut eines Delfins fühlt sich übrigens überhaupt nicht glitschig an oder schuppig wie bei einem Fisch, sondern ganz glatt, sanft und beinahe seidig.

Schnell merkte ich, dass auch jeder Delfin ein eigenes Gesicht hat oder beispielsweise sein Bauch etwas heller ist als der Bauch eines anderen. Ich lernte von Sebastian, dass jeder Delfin besonders in der Pubertät seinen ganz eigenen Charakter entwickelt, was einem ja wieder allzu menschlich vorkommt.

Einige Meter entfernt von uns schwamm ein kleines Mädchen mit einem anderen Delfin und schien sich dabei prächtig zu amüsieren. Ich hatte bereits im Hotel von einigen, meist jungen, Therapie-Patienten gehört, die hier mit den Delfinen bedeutende Fortschritte machen. Ich hatte mir das kaum vorstellen können, aber hier konnte ich nun selbst erahnen und auch selbst spüren, wie kompetente Therapeuten gemeinsam mit den faszinierend sensiblen Tieren bisher (fast) Unmögliches möglich machen. Einfach, indem sie einfühlsam bestärken, Sicherheit geben und spielerisch motivieren.
Schwer beeindruckte mich, dass dieses riesige kraftvolle Tier auf winzige Fingerzeige reagiert und dass Nubia offenbar dabei Spaß hatte zu beweisen, wie gut sie all die Tricks draufhatte – auch wenn ich sie mit meinem allzu schwachen Ringwurf bestimmt maßlos unterfordert habe…

Alles kann, nichts muss

Positiv fiel mir auf, dass die Delfine hier zu nichts gedrängt oder gezwungen werden, denn als Nubia keine Lust hatte, sich auf den Rücken zu drehen, wurde das eben akzeptiert und zur nächsten Übung übergegangen. Das gefiel mir, denn so wie auch ich mich nicht zu etwas gedrängt fühlen möchte, so soll auch der Delfin zu nichts gezwungen werden, wozu er keine Lust hat. Als Nubia eine besonders schöne Drehung hingelegt hatte, durfte ich sie auch mit einem Fisch füttern. Dabei muss man übrigens keine Angst vor einem Biss haben, denn Delfine nehmen den Fisch ganz sanft aus der Hand und schlucken sie dann im Ganzen herunter – sie kauen ihre Nahrung nämlich nicht. Ich erfuhr übrigens, dass mein neuer Lieblingsdelfin Nubia die Tochter von Flipper ist – naja, also die Tochter eines der Flipper-Delfine aus dem berühmten Film, denn natürlich gab es für ihn mehrere Doubles.

Auch der spannendste Moment endet einmal – vergessen werde ich diese Begegnung aber sicherlich nie.

Als mir nach einer halben Stunde langsam kalt wurde und meine Muskeln nicht mehr so recht mitspielen wollten, war ich von den ganzen Eindrücken total überwältig. Müde, erschöpft, aber glücklich verließ ich das Wasser. Diese intelligenten Tiere hautnah zu erleben war ein tolles Erlebnis!
Als Nubia mir zuvor einen „Abschiedskuss“ gab, hatte ich das Gefühl, dass sie im Gegensatz zu mir noch ewig so weitermachen hätte können. Sie ist eben nicht nur verspielt und neugierig, sie hat auch einfach unglaublich viel Energie. Delfin müsste man sein!