Flugreisen im eigenen Rollstuhl – Recherchen am Limit

4944371984_f73e0e9c80_b-1Regelmäßigeren Lesern meines Blogs dürfte bekannt sein: ich befasse mich hier auch (mit recht großem Schwerpunkt, was inzwischen auch Google registriert hat und entsprechend entlohnt) mit Reisen im Rollstuhl. Das veranlasste eine Studentin vor einigen Tagen, mich mit einem recht speziellen Hilfegesuch anzuschreiben. Sie nutzt einen Elektrorollstuhl, und ihr Traum wäre ein Auslandssemester in den USA. Der Haken daran: gesundheitlich ist es ihr nicht möglich, so einen langen Flug in einem normalen Sitz hinter sich zu bringen. Deshalb suchte sie nach einer Fluggesellschaft, die sie auch im eigenen Rollstuhl in der Kabine fliegt. Eine Bekannte meint, eine Doku auf einem unbekannten Sender gesehen zu haben, die einen Passagier im eigenen Rollstuhl mit einem Kraftknoten-Gurt gesichert in der Kabine befördert hat – Sender sowie Airline unbekannt.

Ich machte mich, da ich hier spontan auch keine Antwort wusste und mir nicht einmal ein entsprechender SSR-Code für so eine Sonderanforderung bekannt war, auf die Suche – und scheiterte. Gestern also wandte ich mich an meine Twitter-Follower und fand ein überwältigendes Echo: pure Followerpower! Mein Hilfegesuch wurde stolze 133 Mal retweetet und fand reges Engagement: einzelne Twitterer wandten sich gezielt mit dieser Frage an einige Airlines. Die meisten Antworten bestätigten allerdings meine Befürchtungen. Sowohl einige Vielflieger als auch eine Pilotin teilten mir mit: geht nicht. Zu gefährlich.

Nun ist es so, dass ein Elektrorollstuhl leer schon einmal 200 bis 300 Kilogramm auf die Waage bringen kann. In der Kabine stellt das tatsächlich ein schwer kalkulierbares Risiko dar. Völlig nachvollziehbar: wenn die Maschine in Turbulenzen, Fallböen oder anderes Ungemach gerät und in ein paar hundert Meter Sturzflug geht, kann es in der Tat brenzlig werden. Eine Evakuierung bei Notlandung oder Notwasserung möchte ich gedanklich lieber außen vor lassen – da möchte ich mir Rollstuhlfahrer weder im eigenen Rollstuhl noch mit einem Bordrollstuhl (WCOB) in der Praxis vorstellen. Das sind logische Gründe, warum wohl zumindest die meisten Airlines solch ein Anliegen ablehnen und gemäß der FAA Safety Regulation auch ablehnen müssen. Gesprächsbereit im Einzelfall zeigten sich allerdings die Lufthansa, die um Kontaktaufnahme mit dem Medical Center bat, sowie South African Airlines:
[tweet https://twitter.com/flysaa_us/status/254336835222917120]

Bei aller Beteiligung, darunter von Joern D., Sven Hennig, Christiane Link und Emily sowie vielen, vielen anderen: insgesamt sieht es nicht sonderlich gut aus. Die Chancen, von einer Airline wirklich im eigenen Rollstuhl in der Kabine, noch dazu mit einem E-Rolli geflogen zu werden, stehen aus Sicherheitsgründen gering. Alternativen wären eine Kreuzfahrt (zugegeben, das ist keine sonderlich perfekte Alternative…) oder eine Diskussion mit dem Orthopäden, ob möglicherweise Stützkissen und Ähnliches verfügbar oder produzierbar wären, um den Flug auch in einem normalen Sitz zu bewältigen. Im letzteren Falle wäre zumindest theoretisch sogar eine Kostenbeteiligung des Sozialamtes in Form von Eingliederungshilfe zur Teilhabe am gemeinschaftlichen und kulturellen Leben (§ 55 Abs.2 Nr.7 SGB IX) oder von der Arbeitsagentur wegen erhöhter Reisekosten, die im direkten Zusammenhang mit der beruflichen Ausbildung stehen, denkbar. Idealerweise sollte hier der Dialog mit den betreffenden Airlines und dem behandelnden Arzt aufgenommen werden. Eine Patentlösung scheint es kurz- und mittelfristig jedoch leider nicht zu geben.

Sollte ich neue Hinweise oder Berichte erhalten, werde ich diesen Artikel aktualisieren!

Foto: flickr.com / jbself20 under CC BY-NC-ND 2.0

5 Kommentare
  1. Silke Horn
    Silke Horn says:

    Das ist genau die Problematik, mit der wir uns beschäftigen und haben mit unserem Projekt http://www.fairwinxx.org eine Idee, wie man kostenneutral fliegen kann. Unsere Idee: Mit Flugmeilenspenden ein kostenneutrales Upgrade auf die erste Klasse. Für Menschen mit schwerer Behinderung sind die Liegesitze der ersten Klasse komfortabler. Ebenso sollte mit Flugmeilenspenden ein kostenloser Flug für den mitreisenden Assistenten möglich sein. Viele große Firmen wären froh, ihre Flugmeilen spenden zu dürfen. Mit mehr öffentlichem Interesse sollte es möglich sein, Airlines von dieser Idee zu überzeugen! Freuen uns über Unterstützung und Verbreitung dieser Idee. Viele Grüße

    • Rpd.Berlin
      Rpd.Berlin says:

      Reisen ohne wenn und aber
      für Reisen nach Berlin gibt es eine Lösung, Rollstuhlvermietung.Berlin zeigt Lösungen auf und verfolgt logische Ziele.
      Freundliche Grüße
      Rpd.Berlin

  2. Schwoabi Li
    Schwoabi Li says:

    Hallo, habe einen E-Rollstuhl und würde diesen gerne bei meinen Reisen mit dem Flugzeug mitnehmen. Was muß ich unternehmen? Accus usw.? Wer kann mir etwas dazu sagen ….. !!!???

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